Die weltweite Wikipedia-Gemeinschaft beriet sich bei der Jahrestagung in Washington über die Aussichten der Online-Enzyklopädie. Ein wesentlicher Punkt der diesjährigen Wikimania ist, wie man mehr Autoren und insbesondere Autorinnen zum Mitschreiben anregt.

Auf der internationalen Konferenz Wikimania in Washington zog die Wikimedia Foundation Bilanz: Die freie Enzyklopädie Wikipedia gewinnt zwar immer weiter Leser hinzu, hat aber Nachwuchsprobleme bei den Autoren. Hier sind neue Ideen gefragt, wie man aktiv für mehr Autoren wirbt.
Jimmy Wales ist das Gesicht von Wikipedia und Vertreter eines einzigartigen Projektes. Denn es verlangt viel, verkauft aber nichts. Es verschenkt sogar sein Wissen an alle, die es erweitern wollen. Aus dieser abstrus wirkenden Idee ist mittlerweile das meistgenutzte Online-Nachschlagewerk der Welt geworden, es steht auf Platz fünf der meistbesuchten Websites.
Im vergangenen Jahr hatte Geschäftsführerin Sue Gardner das Ziel gesetzt, aktive Autoren zu gewinnen und deren Anzahl Zahl von 90.000 auf 95.000 im Juni dieses Jahres zu steigern. Leider blieb Ergebnis weit unter den Erwartungen. Auf der Konferenz wurde bekannt, dass es derzeit ungefähr 80.000 Autoren gebe, was aber das Wachstum der Online-Enzyklopädie nicht beeinträchtige. So konnte die englische Wikipedia am Wochenende den viermillionsten Artikel feiern und die chinesische Wikipedia erreichte den Meilenstein von einer halben Million Artikeln.

Überwiegend männliche Wikipedia-Autoren
Die schrumpfende Autorenzahl begründete Gardner mit der Komplexität der Arbeit in der Wikipedia und einer mangelnden gegenseitige Unterstützung. Ein weiteres Problem sei der niedrige Frauenanteil unter den Autoren. Gerade mal zehn Prozent würden sich beteiligen. Bislang konnte die Wikimedia Foundation keine nachhaltige Lösung dafür anbieten. Wikimedia-Gründer Jimmy Wales wolle aber die Themenauswahl überprüfen lassen. So sei beispielsweise unklar, warum ein Artikel über Kate Middletons Hochzeitskleid gelöscht wurde, Artikel über unbekannte Linux-Distributionen andererseits nicht.

«Es ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung», erklärt der Vorsitzende von Wikimedia Deutschland, Pavel Richter. Es wirke prägend, wenn 92 Prozent der Mitarbeiter Männer seien. Dies führe dazu, dass es weniger für Frauen interessante Artikel und somit auch weniger weibliche Leser gebe. Dass es auch schwieriger sei, Frauen für eine Mitarbeit bei Wikipedia zu begeistern, sei somit kein Wunder.

Neue Software für bessere Usability
Eines der zentralen Projekte, um den Einstieg zu erleichtern, ist der Visual Editor, mit dem Neulinge Wikipedia-Artikel schreiben können, ohne sich mit den komplexen Formatierungsoptionen im Wikitext zu beschäftigen. Eigentlich sollte die Software bereits im Juni in den Probebetrieb gehen, doch wegen technischer Probleme musste das Projekt auf einer anderen Basis neu gestartet werden. Gardner stellte in Washington den Probebetrieb des neuen Editors für Ende 2012 in Aussicht, in den Regelbetrieb soll er 2013 gehen.
Wir können also gespannt sein, wie sich Wikipedia demnächst weiterentwickelt.

Quellen und weitere Informationen:
http://www.noz.de/deutschland-und-welt/gut-zu-wissen/computer/65448339/autorinnen-gesucht-wikipedia-will-weiblicher-werden
http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article108292630/Wikipedia-leidet-an-einer-Ueberdosis-Testosteron.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikimania-Wikipedia-Autorenschaft-schrumpft-Zahl-der-Artikel-steigt-1642690.html
 

Wikipedia hat Nachwuchsprobleme

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wissendirekt.jpg

Neuen Kommentar schreiben